Der Wein des Monats · Archiv · Verkostungsnotizen


Der Gewürztraminer - Eine Rebsorte erwacht aus dem Dornröschenschlaf


Der Gewürztraminer hat es nicht leicht, er hat genau so viele Liebhaber wie Gegner. Die einen können sich am opulenten Duft berauschen, die anderen hassen ihn von ganzem Herzen.
Dass der Wein mit seinen üppigen Aromen nur für ältere Damen geeignet ist, gehört wohl in die Welt der Legenden. Wer jedoch in der Welt dieser Vorurteile verbleibt, wird sich selber auf Dauer eines großen Genusses berauben. Denn einiges hat sich getan in der Traminerwelt. Von Schwere und parfümierter Wucht kann man heute nicht mehr sprechen, Eleganz, Finesse und aromatische Nachhaltigkeit treffen viel mehr auf die geliebt-ungeliebte Rebsorte zu.

Was man mit einem Gewürztraminer so alles anstellen kann, beweisen Menschen wie Willi Stürz oder Martin Foradori, die in Tramin, der Heimat dieser Rebsorte, eine moderne Interpretation einer klassischen Rebsorte erfolgreich in Angriff genommen haben.
Sie beweisen, dass mit dem Gewürztraminer ein Wein gefunden werden kann, der viele Möglichkeiten des kulinarischen Einsatzes findet. Und wer weiß, vielleicht kommt in einigen Jahren die asiatische Küche gar nicht mehr ohne den köstlichen und leider immer noch etwas verkannten Wein aus?

2005 Nussbaumer Gewürztraminer, Kellerei Tramin

Ein Wein mit dichtem Gelb und leicht grünlichen Reflexen, der mit einem sehr komplexen Aroma überzeugt. Im Duft präsentieren sich mit sehr feiner Struktur die Aromen von Mango, Passionsfrucht, Lychee, und etwas reifem Pfirsich. Die dem Gewürztraminer ureigenen Rosenaromen sind dezent im Hintergrund, ergänzt durch feine Blütennoten. Eine charaktervolle Mineralität balanciert die Fruchtaromen des Duftes und bringt am Gaumen viel Frische in einen Wein, der mit Länge, Komplexität und Dichte überzeugt.


2005 Kolbenhof Gewürztraminer, Weingut Hofstätter

Auch bei diesem Wein ist die Farbe intensiv und zeigt mit grünlichen Reflexen den Hauch der Jugend. In die Nase steigen Düfte von saftigen gelben Früchten wie Aprikose und Pfirsich, ergänzt durch exotische Noten in Richtung Passionsfrucht, Grapefruit und einem Hauch von Lychee. Florale und mineralische Noten ergänzen das Bild und geben dem Wein sehr viel Lebendigkeit. Diese setzt sich am Gaumen mit einer feinen Säure, einem opulenten aromatischen Charakter und einer hervorragenden Länge fort.




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