Der Wein des Monats · Archiv · Verkostungsnotizen



1999 Regolo Rosso Veroneses IGT, Sartori

Hätte es diesen Regolo schon zu Zeiten von Romeo und Julia gegeben - wahrscheinlich wäre die tragische Liebesgeschichte anders ausgegangen. Doch dann hätte Shakespeare natürlich auch sein Stück nicht geschrieben und in Verona müsste man sich das mittelalterliche Stadtbild ohne Julias Balkon vorstellen.
Doch Romeo und Julia hatten keinen Regolo, nur Gift im Becher und damit ist Verona um eine spannende Geschichte reicher. Obwohl: die Region von Verona hat mehr zu bieten als nur mittelalterliches Ambiente mit Balkonen. Sie ist von der Natur mit idealen Bedingungen für große Weine beschenkt worden. Die sanften Hügel, die sich nördlich von Verona bis an die Ufer des Gardasees erstrecken, bieten beste Voraussetzungen für Weinbau. Denn ihre Böden bestehen aus Ton und Kalk. Gerade letzterer ist es, der Weinen - egal wie kräftig und dicht sie sind - eine unvergleichliche Finesse und Eleganz beschert.
In einer solchen Umgebung, von der Sonne verwöhnt, läuft die Rebsorte Corvina Veronese zur Hochform auf. Bekannt als eine der drei Rebsorten, aus denen der legendäre Amarone gemacht wird, zeigt sie jedoch auch alleine ihre ganze Qualität.
Das Haus Sartori hat sich dieser Rebsorte im besonderen Maße angenommen und die Tradition geschickt mit einem modernen Weinstil verbunden. Ähnlich wie beim Amarone werden die Trauben für diesen Wein nach der Ernte in gut durchlüfteten Räumen aufgehängt und leicht getrocknet. Dadurch gewinnen sie an aromatischer Konzentration und Dichte in der Struktur. Schonend werden die leicht angetrockneten Trauben daraufhin verarbeitet. 20 Tage dauert der Gär- und Mazerationsprozess, an dessen Ende der junge Rotwein steht.
Nun beginnt die Odyssee durch den Keller: Drei Jahre lang wird der Wein in großen Eichenholzfässern gelagert, kurzzeitig kommt er in französische Barriques, die kleinen, 225 Liter fassenden Eichenfässer, die dem Wein eine feine Würze verleihen, in dunklen Kellergewölben reift er für ein halbes Jahr auf der Flasche nach, bevor er dann das Licht der Welt erblicken und damit den Tisch des Genießers entdecken darf.
Der 1999er Regolo ist gerade auf den Markt gekommen. Ein traumhafter Wein, der schon in der Farbe durch eine dichte Konzentration überrascht. Tiefdunkel, granatrot ist das Spiel der Farben. Der Duft ist geprägt von Aromen eingelegter und getrockneter Früchte. Mit detektivischem Spürsinn entdecken Sie Feigen, Pflaumen und schwarze Kirschen. Am Gaumen sind die Tannine deutlich ausgeprägt, jedoch so reif, dass sie einen fast samtigen Charakter haben. Die Aromen des Duftes setzen sich am Gaumen fort. Ein Wein mit Tiefe und Komplexität, der unheimlich viel Spaß macht.
Auch zum Essen. Und da muss es nicht unbedingt "brassato al cavallo " sein, der typische Veroneser Pferdeschmorbraten. Kurzgebratene Fleischgerichte harmonieren ebenso wie eine frische Käsequiche. Mein Tipp: Kochen Sie mit dem selben Wein ein Risotto (einfach den Weißwein im Rezept durch den Regolo ersetzen) und servieren Sie das Ganze mit viel frisch geriebenem Parmesan. Wer weiß: Hätten Romeo und Julia dieses Rezept gekannt... Liebe geht doch bekanntlich durch den Magen, oder?


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