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Der Wein des Monats
· Archiv · Verkostungsnotizen
Köstlichkeit aus Südafrika
1997 Vin de Constance - die (wieder) lebende Legende |
Zu Weihnachten sollten man sich diesen guten Tropfen mit langer Geschichte einmal gönnen:
Als im Jahre 1685 Simon van der Stel als Gouverneur zum Kap der Guten Hoffung kam, nahm er sich seiner neuen Aufgabe mit großem Enthusiasmus an. Es lag ihm jedoch nicht nur am Herzen, aus der neuen Provinz am Kap einen mustergültigen Handelsplatz zu schaffen, er wollte auch eigene Produkte in der Landwirtschaft erzeugen, um vom Mutterland und vom Handel mit den Einheimischen unabhängiger zu werden.
Er scheute (fast) keine Mühe, um einen idealen Platz für seine Reben zu finden. Kein Wunder, schließlich war Wein im 17. Jahrhundert mehr Genussmittel als Handelsware. Wein war Antiseptikum und Medizin, Wein war ein (Grund-)Nahrungsmittel und brachte auch etwas Abwechslung und Freude in den eher tristen Alltag der Kolonie.
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Körbeweise wurden deshalb Bodenproben nach Kapstadt gebracht und analysiert. Dabei zeigten sich, dass das Tal gegenüber der False Bay das größte Potenzial für den Weinbau barg. Durch die Lage zwischen Atlantik und Pazifik profitierte es von kühlenden, feuchten Winden. Der Granitboden bot die ideale Grundlage für die Reben.
Sein Weingut nannte er kurz Constantia, ein Name, der später die ganze Region charakterisierte. Das Weingut war mustergültig organisiert und erreichte in nur kurzer Zeit einen hohen Bekanntheitsgrad. Den Traum weltweiten Ruhms realisierte jedoch Hendrik Cloete. Dieser Urenkel eines Deutschen Einwanderers hatte eine tiefe Beziehung zu den Geheimnissen des Bodens. Sein Ziel: den besten Wein des Landes zu keltern.
Hendrik Cloete erwarb den damals dreigeteilten Besitz und begann neben Frontignac und Pontac auch roten und weißen Muskateller und etwas Chenin Blanc zu pflanzen. Diese Rebsorten sollten den Weltruhm Constantias in den darauffolgenden hundert Jahren begründen. Überlegtes Vorgehen im Weinberg und schonende Verarbeitung der vollreifen Trauben mit langsamer Gärung: Was wie ein Rezept der modernen Weinproduktion klingt, war Cloetes Credo. Er war so stolz auf sein Produkt und so sehr von dessen Qualität überzeugt, dass er sich nicht hinter Namen wie Sauternes oder Madeira versteckte, die IN- Drinks seiner Zeit, sondern den Wein kurzentschlossen Constantia nannte.
Und Constantia avancierte zum begehrten Wein der Mächtigen, die ihm noch vor dem Tokaji, Madeira oder Château dYquem den Vorzug gaben. Louis Philippe schickte einen Gesandten aus, um den Wein direkt vor Ort zu besorgen, Napoleon Bonaparte trank diesen Wein im Exil auf Sankt Helena und es wird gesagt, dass dieser Nektar den Kaiser auch auf dem Sterbebett begleitet hatte. Friedrich der Große gehörte ebenso zu den Constantia Fans wie Bismarck. Und der Premierminister von England bekam diesen Wein in der Downing Street serviert und unternahm alles mögliche, dass zukünftig auch eine Kontingent vom Kap direkt an den Buckingham Palace für den König geliefert wurde.
Und auch die Kunst ließ sich von diesem legendären Wein inspirieren. Charles Dickens gehörte ebenso zu seinen Anhängern wie Jane Austen, die dem Wein heilende Kräfte für ein enttäuschtes Herz zuschrieb. Klopstock widmet dem Wein gar eine eigene Ode und bei Baudelaire wird Constantia zu einem Bild in seinen Fleurs du Mal.
Die Geschichte nimmt jedoch ein tragisches Ende, denn im späten 19. Jahrhundert überfällt die Reblaus Südafrika. Damit war das Schicksal des berühmten Weinbergs besiegelt, er wurde aufgegeben. Die Legende lebte in Literatur und Kunst weiter, und in einigen Exemplaren, die in den Kellern begeisterter Sammler überlebten.
Erst 1980 wurde Klein Constantia aufgebaut, Teil des ehemaligen Besitzes von Simon van der Stel. Aufzeichnungen wurden studiert und es wurden Reben gefunden, die in Ihrer Ähnlichkeit den ursprünglichen Rebstöcken am nächsten kamen, die 300 Jahre zuvor auf Constantia angebaut wurden. Damals begann die Renaissance dieses großartigen Weines.
Der Jahrgang 1997 ist eine Köstlichkeit, die mit einer tiefgoldenen Farbe und bernsteinfarbenen Reflexen überzeugt. Der Duft wird von Aromen reifer Äpfel, intensiv duftender Quitten, dezenten Vanilletönen und dem Duft weißer Lilien geprägt. Am Gaumen zeigt sich dieser Wein kraftvoll mit einer exzellenten Säurestruktur und einer eleganten Süße. Die Fruchtaromen erinnern an eingelegte weiße Früchte, Quittengelee und einem Hauch von Honig. Ein Wein mit langem Abgang und dichter Konzentration.
Zu beziehen bei:
Les Amis du Vin , Tel :: 02203/935044
40,- € pro Flasche
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