Der Wein des Monats · Archiv · Verkostungsnotizen




2002 Ruster Ausbruch Muskat Ottonel,
Weingut Feiler Artinger, Rust



Im Innenhof des wunderschönen Ruster Bürgerhauses aus dem 15. Jahrhundert hat die Hektik der modernen Zeit keine Chance. Während vor dem großen Tor Verkehrslärm und Touristenunterhaltung brandet, liegt dahinter eine Welt der Ruhe und Beschaulichkeit. Dass die Zeit trotzdem nicht stehengeblieben ist, zeigt sich beim Kellerrundgang mit Kurt Feiler, dem Juniorchef des renommierten Ruster Betriebes. Seine Ausbildung führte ihn ins Ausland, bevor er die Verantwortung in dem Familienunternehmen übernahm, das zu den großen Botschaftern Österreichischer Weinkultur gehört.
Der Keller ist perfekt eingerichtet und verfügt über all die Dinge, welche zur Herstellung hervorragender Weine notwendig sind. Um die Qualität der Weine auch in der Flache zu erhalten, hat sich das Weingut sogar entschlossen, einen Großteil der Weine mit Stelvin-Verschlüssen als Alternative zum Kork zu versehen. Und erst wenn man nach der Verkostung beim Mittagessen sitzt, virtuos von der Chefin des Hauses zubereitet, fühlt man sich wieder in die Zeit der K & K Monarchie zurückversetzt. Wobei man sich dabei durchaus die Frage stellen darf, ob die Herrschaften, die damals um den großen Tisch saßen, so ausgezeichnete Weine genossen haben, wie die Gäste heute. Weißweine wie der 2003er Welschriesling überzeugen mit Eleganz und Schliff, während kraftvolle, im Barrique ausgebaute Gewächse wie die Cuvée Gustav Kraft und Struktur perfekt zu verbinden wissen. In die Richtung von Bordeaux verweist die 2002er Cuvée "1008" aus Cabernet-Sauvignon und Merlot, die über 18 Monate in neuen Barriques reifte. Hier überzeugen neben den Weißweinen auch die Rotweine. Den Höhepunkt stellen dann die edelsüßen Weine dar. Die 2002 Ruster Ausbruch Essenz ist grandios, für die herbstlichen Tage passt jedoch der 2002 Ruster Ausbruch Muskat Ottonel noch besser. Der Wein, bei der Vinaria mit den begehrten 3 Sternen ausgezeichnet, überzeugt mit einer sattgelben Farbe und verführt im Duft mit feinen Aromen. Diese erinnern an Orangenblüten und Zitronengras, reife Aprikosen und exotische Papaya, ein Hauch von Orangeblüten und im Hintergrund Lilienduft. Die komplexen Aromen des Duftes setzen sich am Gaumen fort. Dort schmeichelt eine opulente Süße, welche über die elegante Säure perfekt im Zaum gehalten wird. Der Muskatcharakter kommt im lang anhaltenden Finale mit seinen floralen Noten zum tragen. Ein großer Genuss, der zu herbstlichen Obstdesserts mit Williamsbirnen, Äpfeln und Quitten sehr gut harmoniert, aber auch vor Kombinationen mit Zitrusfrüchten oder exotischen Noten nicht kapituliert. Ein großer Wein mit viel Potenzial.
 
 
Bezugsuqellen: www.feiler-artinger.at

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