Verkostungsnotizen
2003
Primeurs 2003, der außer-ordentliche Jahrgang
Primeurproben in Bordeaux starteten am 29. März 2004/ über 5000 Experten aus der ganzen Welt zur Verkostung akkreditiert/Cabernet-Sauvignon zeigt
sich dem Merlot überlegen.
2003, ein Jahrgang mit allen Anlagen für große Überraschungen. Ein
Rekordjahr ist er allemal. Temperaturen, die den heißen Weinbaugebieten
der neuen Welt alle Ehre machen, plagten über nahezu drei Monate nicht nur
die Einwohner des Bordelais, sondern auch die dort wachsenden Reben.
Glücklich diejenigen, deren Rebstöcke durch tiefe Wurzeln oder die
Beschaffenheit des Bodens noch genug Wasser bekommen konnten. Im Gegensatz
zur Neuen Welt ist in Bordeaux die Bewässerung verboten. In Saint-Emilion
z.B. kommen die besten Wein des Jahres vom "Plateau Calcaire", dem
Kalkfelsen im Zentrum des Anbaugebiets, oder anderen, gut
wasserspeichernden Böden. Auf dem linken Ufer hatten die tiefgründigen
Kiesböden mit alten, tiefwurzelnden Reben des Cabernet-Sauvignon, die auf
einem feuchten Lehm-Unterboden stehen, einen erheblichen Vorteil. Ebenso
die Cabernet-Francs oder die Merlots auf Lehm-Kalkboden, die von der
Feuchtigkeit profitieren konnten. Reine Kiesböden dagegen waren von
Niederschlägen abhängig. Deshalb kann man besonders in den Graves, Margaux
und im südlichen Haut-Médoc großartige Weine finden, die rechtzeitig von
geringen lokalen Niederschlägen profitiert haben, während das
Nachbarweingut eventuell keinen Tropfen Regen erhielt und somit einen
problematischeren Wein präsentieren musste.
In den Verkostungen zeigt sich deutlich: 2003 wird eher ein
Cabernet-Sauvignon Jahrgang werden, da diese Rebe die heißen Temperaturen
besser vertragen konnte. Als später reifende Rebsorte hatte sie nicht mit
dem Problem der Überreife zu kämpfen wie die Merlots. So bringen die
Cabernet-Sauvignons aus dem Médoc und den Graves Kraft, dichte und reife
Gerbstoffe und gleichzeitig jene Frische mit, die das Kennzeichen großer
Bordeaux sind.
Frische und Eleganz trifft man in diesem Jahrgang häufiger auf dem linken
Ufer. Das nördliche Médoc hat mit seinen diversen Appellationen sicherlich
die Nase vorn, doch auch das südliche Médoc, Margaux und Pessac-Léognan
haben Hervorragendes zu bieten. Die spätere Reife des Cabernet-Sauvignon
und seine bessere Anpassungsfähigkeit hat zu teilweise außergewöhnlichen
Weinen geführt. Beeindruckende Weine finden sich in den klassifizierten
Gewächsen wieder. Nicht nur die Premier Cru Classés haben die Kombination
aus Konzentration, Komplexität und Frische gut gemeistert. Die Châteaux
Pape-Clément und Haut-Bailly in Pessac-Léognan, Rauzan-Ségla oder Ferrière
in Margaux, Lynch-Bages in Pauillac oder Montrose oder Phélan-Ségur in
Saint-Estèphe zählen zu den positiven Überraschungen.
2003 ist ein Jahr des Cabernet-Sauvignon und ein Jahrgang, der das Terroir
wieder in den Vordergrund bringt. Vor allen Dingen aber ein spannender
Jahrgang, der mit großartigen Entdeckungen überrascht. Doch der lang
ersehnte homogene Jahrgang wie 1990 oder ähnlich 2000 ist es nicht
geworden.
2003er Bordeaux auf der Flasche
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