Die Story des Monats
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Vollendeter Genuss - Rauchendes Gold und edle Tropfen
Gold wollte er suchen. Tabak hat
er gefunden: Columbus. Als er 1492 auf Kuba landete, glaubte
er in Japan zu sein. Wen wundert es da, dass seine Kundschafter
Geschichten erzählten von eigenartigen Menschen, die
halb nackt herumliefen und sich brennende Stäbe in
den Mund steckten. Pfui Teufel. So blieb der angenehm duftende
Rauch des Tabaks den „Entdeckern“ erst einmal
verborgen und damit auch die Bedeutung der „rauchenden“ Goldader.
Erst langsam und mit Schwierigkeiten begann der Tabak seinen
Siegeszug um die Welt: Schließlich waren den Menschen
im ausgehenden Mittelalter „Rauchende Münder“ doch
sehr suspekt, zu groß war die Nähe zum Höllenschlund.
Und die ersten Raucher kamen den lodernden Scheiterhaufen
der Inquisition verdächtig nah. Heute ist das Vergangenheit,
Tabak ist längst fester Bestandteil des täglichen
Lebens in allen Kulturen und Gesellschaften. Und Tabak
in seiner edelsten Form, der Zigarre, ist krönender
Abschluss gehobener Tischkultur. Egal, ob eine kleine „Panatella“ nach
dem Lunch oder eine „Doppelcorona“ abends gemütlich
am Kamin – die Zigarre bietet Genuss pur, auch ohne
Kamin!
Dabei hat der Tabak mit Wein viele Parallelen, da wundert
es nicht, dass sich auch der Genuss edler Zigarren und
hochwertiger Weine nicht zwangsläufig ausschließen.
Noch heute kommen die gefragtesten Tabake für Zigarren
aus Kuba, Heimat der berühmten „Havanna“.
Hier gibt es die besten Anbaugebiete für feinsten
Tabak wie beispielsweise die Region von Partidos und von
Vuelta Abajo in der Nähe der Stadt Pinar del Rio.
Dort werden auf rötlichen Böden die kostbaren
Blätter gezogen. Wie beim Wein spielen auch beim Tabak
Klima und Boden eine große Rolle und prägen
unterschiedliche Charaktere.
Und auch die besten Weine dieser Welt kommen aus Anbaugebieten,
die sich auf Grund ihres Terroirs – des Zusammenspiels
von Boden, Lage, Klima, Rebsorte aber auch durch die Bearbeitung
durch den Menschen – für die Produktion hervorragender
Weine anbieten.
Geerntet werden die Tabakblätter in mehreren Phasen.
Danach werden sie im Casa del Tabaco getrocknet und zum
ersten Mal fermentiert, anschließend entrippt, klassifiziert
und wieder fermentiert. Der so gewonnene Tabak hat viel
Aroma und ist bereit, zur Zigarre gerollt zu werden. Dazu
formt der „Torcedor“ (der Zigarrenroller) aus
verschiedenen Tabakblättern erst einmal eine so genannte
Puppe, die in Form gepresst wird. Erst dann wickelt er
das Um- und Deckblatt um die Zigarre, die jetzt noch etwas
Zeit braucht, um zu reifen.
Wieder sind Parallelen zum Wein deutlich, denn auch hochwertige
Weine werden in mehreren Durchgängen geerntet. Besonders
bei den edelsüßen Weinen können bis zu
sieben (!) durch einen Weinberg notwendig sein, bis alle
edelfaulen Beeren einzeln gelesen sind. Und noch eine Gemeinsamkeit:
Die Fermentation der Vergärung. Wie auch Tabak ist
Wein ein Ergebnis der Gärung. „Reife“ heißt
auch ein weiteres Zauberwort für guten Wein, der teilweise
im Fass oder auch auf der Flasche reift, um ein optimales
Aroma zu erhalten. Dabei spielt der Ausbau des Weines eine
sehr wichtige Rolle, genauso wie die abschließende
Reife im Weinkeller, die erst die aromatische Komplexität
bringt.
Übrigens schmecken gereifte Zigarren ebenfalls besser
als frisch gerollte. Auch hier bringt der Reifeprozess
eine aromatische Tiefe. Zusätzlich beeinflussen die
vielfältigen Formate ihr Aroma und ihren Geschmack: „Panatellas“ sind
kleinformatige Zigarren, sehr schlank, mit angenehmem Aroma
für den unkomplizierten Genuss. „Corona“ ist
der Klassiker: Sie verbindet komplexe Aromen mit feinwürzigem
Geschmack. Eine knappe Stunde sollte man für den Genuss
dieses Formates auf jeden Fall einplanen. Eine besondere
Variante sind die „großen Coronas“, auch „Double
Corona“ genannt. Sehr komplex und kraftvoll fordern
sie den Raucher für zwei Stunden. Eine Abwandlung
sind die „Churchills“ mit ähnlichem Charakter.
Die „Robustos“ – ähnlich lang wie „Coronas“,
aber mit größerem Durchmesser – bieten
einen etwas milderen, trotzdem kraftvoll aromatischen Rauchgenuss.
Unter der Rubrik „Figurados“ sind Sonderformate
vereint, wie Torpedo-, Zeppelin- oder Pyramidenform. Diese
Spezialformen sollten Sie sich einmal gönnen, auch
wenn sie nur schwer zu bekommen sind. Wem der „Blaue
Dunst“ alleine zu trocken ist, kann auf klassische
Begleiter zurückgreifen: Cognac, Armagnac, Rum und
Whiskey bieten sich an. Doch wie wäre es auch einmal
mit einem Glas Wein? Die Kombination von Zigarren mit Süßweinen
ist perfekt. Eine elegant-fruchtige Riesling Auslese ist
ideal zu einer leichteren „Panatella“ oder „Corona“.
Edelsüße Weine wie Beerenauslesen passen ausgezeichnet
zu den anspruchsvollen „Robustos“. Und die
großen Formate wie „Churchill“, „Double
Corona“ oder auch große „Figurados“ verlangen
fast flehentlich nach einem opulenten Portwein, einem LBV
oder einem Vintage beispielsweise. Auch süßer
Sherry, besonders ein PX, harmoniert ausgezeichnet.
Oder trinken Sie lieber trocken? Die kleinen, leichteren
Zigarren harmonieren prima zu trockenen Weißweinen,
die kraftvoll und nicht zu säurebetont sind, wie Chardonnay
oder Grauburgunder. Die kräftigen Zigarren vertragen
sich gut mit Rotwein, doch Vorsicht: Der Gerbstoff des
Weines wird durch die Zigarre verstärkt! Deshalb muss
der Rotwein viel Reife mitbringen. Beispielsweise ein Bordeaux,
ein Klassiker aus der Toskana oder ein Shiraz aus der neuen
Welt sind perfekt. Es gibt viele Möglichkeiten, probieren
Sie sie aus, kombinieren Sie Weine und Zigarren. Willkommen
in einer ganz neuen Welt des Genusses. Und ich rauche gern
eine Epicure No. 2 zu einem Glas Champagne Dom Ruinart
1990. Eine traumhafte Kombination.
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